Zielsetzung

FOOD FRAUD ist ein zunehmend kritisches Thema in allen Bereichen der komplexen und globalen Beschaffungskette. Dabei umfasst die Problematik der Produktfälschung nicht nur die absichtliche Um- bzw. Falschetikettierung von Billig- zu Premiumprodukten, sondern auch das Strecken mit minderwertigeren Bestandteilen sowie die Vermischung gentechnikfreier mit gentechnisch veränderter Ware. Angaben zu Authentizitätsparametern, wie zur geografischen oder zur botanischen Herkunft (geographical origin, botanical orgin) und zur chemischen Identität von pflanzlichen Rohstoffen können grundsätzlich durch Kontrolle von Frachtpapieren oder Rechnungen überprüft werden (Prinzip der Rückverfolgbarkeit, traceability). In der Praxis hat sich dieses Verfahren vor allem bei geschickten kriminellen Manipulationen (FOOD CRIME) oft als nicht ausreichend erwiesen, so dass die Notwendigkeit in der Entwicklung sicherer analytischer Strategien besteht.

Für das Forschungskonsortium leiten sich daraus folgende Aufgaben ab:

Hightech-Methodenentwicklung (non-targeted))

Für die Differenzierung von Rohstoffen verschiedener geographischer Herkünfte sowie unterschiedlicher biologischer Identitäten werden zunächst hochaufgelösten Daten (Fingerprints) auf allen relevanten zellulären Ebenen (Genomics, Proteomics und Metabolomics) aufgenommen. Komplettiert werden diese Untersuchungen durch den Bereich der hochaufgelösten Element- und Isotopenprofilanalysen (Isotopolomics).

Routineapplikationen (targeted)

Auf der Basis von statistischen Unterschieden zwischen den betrachteten atomaren und molekularen Datenprofile werden nach Datenreduktion, Markerverbindungen aus den experimentellen Daten extrahiert, die für die nachgeschaltete Entwicklung von unkomplizierten und in der Routine durchführbaren apparativen Methoden genutzt werden können. Dabei werden Protokolle erstellt, die kostengünstig im Unternehmen oder im Handelslaboratorium mit angemessenem apparativem Aufwand adaptiert und weiterentwickelt sowie im Idealfall von wissenschaftlich nicht ausgebildetem Personal durchgeführt werden können.

Datenmanagement

Ein nachhaltiges Datenmanagementsystem liefert die Basis alle Datensätze, Fingerprints und Sequenzen/Barcodes, auch im zeitlichen Abstand (Memory Effekt) erneut im Hinblick auf völlig andere Fragestellungen analysieren zu können. Gerade das Recycling von Daten kann besonders in Bezug auf die Rückverfolgbarkeit (traceability) von Lebensmitteln von sehr hohem Wert sein.

Technologietransfer

Ein wesentliches Ziel ist der Wissenstransfer, d.h. eine enge Zusammenarbeit zwischen akademischen Forschungsinstituten und den beteiligten Wirtschaftsunternehmen, zur gemeinsamen Verbesserung der Lebensmittelsicherheit.

Weiterentwicklung

Sowohl Weiterentwicklungen auf der technisch/apparativen Seite, im Software-Bereich als auch im Bereich des Zusammenspiels der unterschiedlichen physikalischen Verfahren sollen mittel- und langfristig Food Profiling besser und nachhaltiger machen. Ziel ist die Optimierung des Gesamtsystems in Richtung Sensitivität und Gesamtauflösung, um ein noch definiertes Bild der untersuchten Rohstoffe zu bekommen. Die Möglichkeit einer direkten Verknüpfung der gesammelten Informationen durch entsprechende Softwarealgorithmen können das Ergebnis weiter verbessern. Darüber hinaus sollen auch neue physikalische Prinzipien in das Konzept nach Verfügbarkeit aufgenommen werden.